Webinar-Nachlese: Der Sockel im Holzbau – die Basis für dauerhafte Qualität
Moritz Stiegler , M.Eng.
moritz.stiegler@isocell.at
Sie haben unser Webinar am 30. Juli verpasst? Kein Problem! Hier finden Sie die wichtigsten Experten-Insights von Moritz Stiegler und Josef Putzhammer zum Thema Sockelanschluss im Holzbau.
Der Sockel im Holzbau – Stellschrauben und Praxiswerte
Der Sockel bildet eine sensible Schnittstelle zwischen Holzbau und anderen Gewerken. Da Schäden an der Schwelle durch Feuchtigkeit und Pilzbefall oft erst spät entdeckt werden und extrem kostenintensive Sanierungen nach sich ziehen, ist eine durchdachte Planung sowie eine gewerkeübergreifende Abstimmung unerlässlich. In unserem kompakten Webinar bringen Sie die ISOCELL-Bautechniker auf den neuesten Stand und zeigen praxisnahe Lösungen für dauerhaft sichere Sockelkonstruktionen.
Hier sind ausgewählte Key Takeaways im Überblick:
- Normative Grundlagen und Regelwerke im Blick behalten. Der Sockelbereich wird durch verschiedene nationale Normen und weiterführende Richtlinien geregelt:
- Deutschland: Die baurechtlich eingeführte DIN 68800-2 (Holzschutz) legt Schwellenhöhen fest, ergänzt durch Praxis-Merkblätter von DHV und BDF.
- Österreich: Die ÖNORM B 2320 sowie die umfassende Sockelrichtlinie der Arbeitsgemeinschaft Sockelanschluss (bzw. HFA) bilden die Grundlage für die Detailausbildung.
- Sockelhöhen reduzieren und Schwellenniveau schützen. Normativ gilt ein Standard-Sockelabstand von 30 cm zwischen Geländeoberkante (GOK) und Unterkante Schwelle als Spritzwasserbereich. Dieser lässt sich durch gezielte Zusatzmaßnahmen sicher absenken:
- Kiesbett / Drainage: Ein ausreichend umlaufendes und drainagiertes Kiesbett ermöglicht eine Absenkung des Schwellenniveaus auf 15 cm.
- Zusatzabdichtungen: Unter Einhaltung der HFA-Richtlinie (Österreich/Schweiz) sind 10 cm, nach deutschen Regelwerken bis zu 5 cm Schwellenabstand zulässig, wenn eine zusätzliche Abdichtung aufgebracht wird.
- Abdichtungshochzug: Die Abdichtung muss dabei mindestens 15 cm über die fertig geländeführende Schicht hochgezogen werden. Anschlüsse sind mit mindestens 10 cm Überlappung auszuführen.
EXPERTEN-TIPP VON ISOCELL
„Feuchtigkeit an der Schwelle wird oft erst spät bemerkt – etwa durch klemmende Türen oder leichte Setzungen. Eine Sanierung im Sockelbereich ist extrem aufwendig. Planer und Zimmerer sollten daher bereits im Vorfeld die Schnittstellen klären, Vorgaben der Normen berücksichtigen und auf eine ordnungsgemäße Ausführung achten.“ – Moritz Stiegler, Bautechnik ISOCELL.
- Herausforderung Barrierefreiheit fachgerecht lösen. Der Wunsch nach stufenlosen Übergängen nach draußen lässt sich nicht einfach durch ein „Eingraben“ des Holzbausockels realisieren – dies widerspricht den Normen und führt zu Haftungs- sowie Feuchterisiken.
- Betonsockel: Eine Betonaufkantung hebt den Holzbau aus dem Gefahrenbereich und ermöglicht dennoch einen schwellenlosen Austritt im Fenster- und Türbereich.
Entwässerungsrinnen / Gitterroste: In Teilbereichen wie Terrassenaustritten kann das Kiesbett mit einem Gitterrost und ausreichender Drainage abgesenkt werden. Ein umlaufender „Burggraben“ ist normativ jedoch nicht vorgesehen.
- Konstruktive Stellschrauben und Fassadenschutz. Beim Fassadenanschluss im Sockelbereich entscheidet das Detail über die Langzeitbeständigkeit:
- Wasserführung: Starkregen belastet die Fassade stark. Rückspringende Sockel oder Tropfkanten leiten das Wasser geordnet ab. Konstruktiver Schutz durch Vordächer (60°-Winkel) reduziert die Belastung am Sockel massiv.
- Überdämmung: Reicht die Abdichtung über Oberkante Fertigfußboden (OKFF), muss der Bereich überdämmt werden. Untersuchungen zeigen, dass eine Überdämmung von 20 % bzw. ein R-Wert von 1,25 m²K/W (z. B. mit einer 60 mm Sockeldämmplatte) bauphysikalisch ausreicht. In den derzeit geltenden Regelwerken werden mindestens 33 % gefordert.
Fugenabdichtung: Winddichte Anschlüsse im Bereich der Dämmung werden praxisgerecht mit BG1-Dichtbändern ausgeführt.
- Systeme und Produktlösungen für die Abdichtung. ISOCELL bietet sowohl normkonforme Abdichtungssysteme als auch praxisbewährte Lösungen mit Herstellerfreigabe:
- Normkonforme Systeme: Bitumenkautschukbänder (mit/ohne Vlies), EPDM-Dichtstreifen sowie die Flüssigabdichtung OMEGA PoBit (zweilagig mit Vlieseinlage).
- Systemlösungen von ISOCELL: OMEGA EXOFIX, OMEGA PLASTO (Butylklebeband) optional mit ergänzendem OMEGA PoBit-Anstrich (sorgt für höhere UV-Beständigkeit und sichere Eckausbildungen).
- Radon- und Feuchteschutz: Zum Schutz vor aufsteigender Feuchte und Radon bietet ISOCELL mit der OMEGA BASETOP eine bitumenfreie Alternative für die Bodenplatte.
Fünf Schlüsselschritte für die Praxis- und Planungsanwendung
Für eine sichere Umsetzung am Bau empfiehlt ISOCELL folgendes Vorgehen:
- Geländebeschaffenheit prüfen: Hanglagen und Baugrund bezüglich Wasseranfall bewerten.
- Barrierefreiheit klären: Rechtliche und Bauherren-Anforderungen frühzeitig definieren.
- Sockelhöhe inkl. Toleranzen festlegen: Mindestmaße im Plan ausweisen und Verträge anpassen.
- Passende Abdichtungssysteme wählen: Auf geprüfte und norm- bzw. herstellerkonforme Produkte setzen.
- Schnittstellen und Gewerke koordinieren: Aufgabenverteilung zwischen Holzbau, Fensterbauer und Gala-Bau eindeutig festlegen.
Fragen zum Sockel im Holzbau
Haben Sie Fragen zum Thema Sockel im Holzbau? Unsere Bautechniker stehen Ihnen gerne telefonisch zur Verfügung.
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