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Webinar-Nachlese: Körperschall effizient entkoppeln - Stoßstellen im Holzbau

4 Minuten Lesezeit
Josef Putzhammer

Josef Putzhammer , Dipl.-Ing. (FH)

josef.putzhammer@isocell.at

Stoßstellen im Holzbau – Stellschrauben und Praxiswerte

Mit dem Vormarsch des mehrgeschossigen Holzbaus und steigenden Nutzeransprüchen rückt der Schallschutz immer stärker in den Fokus. Während Deckenbauteile oft intensiv geplant werden, entscheidet bei hochwertigen Konstruktionen häufig die Flankenübertragung über das bewertete Schalldämmmaß (R'w). Ein zentraler Hebel ist hierbei das Stoßstellen-Dämmmaß (Kij), das die Schwingungsübertragung am Knotenpunkt zwischen Wand und Decke beschreibt. 

In unserem kompakten Webinar gaben die ISOCELL-Experten praxisnahe Einblicke und präsentierten vergleichende Messergebnisse aus dem Branchen-Forschungsprojekt Schallholzbau 2 (geprüft am TGM Wien). 

Hier sind ausgewählte Key Takeaways im Überblick

  • Einfluss des Kij-Werts: Das Stoßstellen-Dämmmaß wird in Dezibel (dB) angegeben. Schon 3 dB Unterschied sind deutlich wahrnehmbar; eine Differenz von 10 dB entspricht subjektiv etwa einer Halbierung bzw. Verdoppelung der wahrgenommenen Lautstärke. Ein hoher Kij-Wert verhindert wirksam, dass Schallenergie über flankierende Bauteile am Trennbauteil vorbeigeleitet wird. 

     
  • Positionierung des Lagers (oben vs. unten): Wo ein Schalldämmlager sinnvoll platziert wird, hängt maßgeblich von den vorhandenen Schalen ab:
    • Sichtdecken / direkt beplankte Decken: Das Schalldämmlager gehört zwingend auf die Decke unter die aufstehende Wand.
    • Abgehängte Decken ohne Wand-Vorsatzschale: Hier empfiehlt sich der Einsatz von Lagern sowohl über als auch unter der Geschossdecke, um maximale Dämmwirkung zu erzielen.
    • Vollständig entkoppelte Konstruktionen (Vorsatzschale an Wand und abgehängte Decke): Die Schalen reduzieren bereits viel Schallübertragung, weshalb Stoßstellenlager hier eine untergeordnete Rolle spielen. 

       
  • Materialvergleich auf dem Prüfstand:
    Ein nackter Stoß (Brettsperrholzwand direkt auf -decke) liefert bereits ca. 13 dB Stoßstellendämmmaß. Der echte Gewinn zeigt sich bei den Prüfungen im Vergleich:
    • Starre Einlagen: ca. 15 dB (Kij-Gewinn: nur rund +2 dB).
    • Korkstreifen: ca. 16 dB (Kij-Gewinn: ca. +3 dB).
    • Nicht geschäumtes Polyurethan (6 mm): ca. 20 dB (Kij-Gewinn: ca. +6,5 dB).
    • Geschäumte Polyurethane (z. B. ISOCELL Vibradyn / Vibrafoam): Spitzenwerte von 24 bis 25 dB (-Gewinn: +10 bis +12 dB). 

       
  • Dicke und Zellstruktur: Die Messungen zeigen, dass geschäumtes Polyurethan bereits in 6 mm Dicke hervorragende Werte erzielt – mit 24 dB Kij liegt es nur rund 1 dB hinter der klassischen 12,5-mm-Variante. Zudem bietet das geschlossenzellige Vibradyn optimale Feuchteunempfindlichkeit und ein breites Lastspektrum, während das gemischtzellige Vibrafoam eine wirtschaftliche Alternative bei ähnlicher Performance darstellt. 

     
  • Schallbrücken durch Verbindungsmittel vermeiden: Mechanische Verbindungen wirken als Schallbrücken.
    • Durchgehende Tellerkopfschrauben mindern den Dämmwert geringfügig, Entkoppelung mit elastischen Beilagscheiben kann die Einbußen reduzieren.
    • Metallwinkel sollten zweifach entkoppelt ausgeführt werden (Entkopplungsmatte unter dem Schenkel und elastische Scheibe unter dem Schraubenkopf), da starre Winkelverbindungen den akustischen Gewinn eines Lagers stark reduzieren können. 

       

EXPERTEN-TIPP VON ISOCELL

„Ein hochwertiger Deckenaufbau verliert seine Wirkung, wenn der Schall über die Flanken ausweicht. Das richtige Stoßstellendämmlager schafft die nötigen Reserven auf der Baustelle – vorausgesetzt, auch die Verbindungsmittel werden konsequent schalltechnisch entkoppelt. Schon dünne Lager können Stoßstellen entschärfen, sofern sie aus dem richtigen Material bestehen.“ – Josef Putzhammer, Bautechnik ISOCELL 

Fünf Schlüsselschritte für die Praxis- und Planungsanwendung

Für eine schalltechnisch sichere Stoßstellenausbildung im Holzbau empfiehlt euch ISOCELL folgendes Vorgehen:

  1. Bauteilsituation und Schalen analysieren: Klärt frühzeitig, wo Sichtoberflächen (z. B. Brettsperrholz) verbleiben und wo abgehängte Decken oder Vorsatzschalen vorgesehen sind, um die Lage der Entkopplung (über/unter Decke) zu definieren.
  2. Charakteristische Lasten ermitteln: Trennt permanente Lasten von veränderlichen Nutzlasten (diese fließen im Regelfall anteilig ein), um die tatsächliche Pressung auf das Lager realistisch abzubilden.
  3. Passende Lagerfarbe und Stärke wählen: Nutzt Dimensionierungstabellen oder den Online-Kalkulator zur Auswahl des passenden Lastbereichs (z. B. Vibradyn S-Typen), um die Eigenfrequenz und die Einfederung (ca. 10 % Pressung) optimal einzustellen.
  4. Verbindungsmittel akustisch entkoppeln: Plant Schrauben und Winkel nicht starr: Setzt auf zweifach entkoppelte Systemwinkel oder elastische Beilagscheiben und versenkte Schraubenköpfe.
  5. Montagedetails absichern: Nutzt vollflächig klebstoffkaschierte Lager zur einfachen Lagesicherung auf der Baustelle und prüft im Modulbau Möglichkeiten zur gezielten Punktentkopplung. 

Fragen zur schalltechnischen Entkopplung?

Habt ihr Fragen zur Stoßstellendämmung oder benötigt Unterstützung bei der Dimensionierung eurer Bauteillager? Unsere Bautechniker stehen Ihnen gerne telefonisch zur Verfügung.