Neugierige Pioniere
„Häuser müssen mehr als nur schön sein“

„Häuser müssen mehr als nur schön sein“

Christina Krimbacher schrieb ihre Diplomarbeit über Passivhäuser, als die Bauweise noch fast als abartig galt. Die Architektin und Planerin über Nachhaltigkeit aus Überzeugung und die Gefahr von minderwertigen Neubauten.

Frau Krimbacher, Sie haben Ihre Karriere bei Energie Tirol gestartet, einer unabhängigen Beratungsstelle des Landes Tirol für Energiefragen. Was macht man dort als gelernte Architektin? 

Ich war für die Betreuung der Energieberater zuständig; dabei handelte es sich um ein Netzwerk von 30 Beratern. Aber mein eigentliches Hauptinteresse waren Passivhäuser und Ökologie. 

Wie sind Sie auf nachhaltiges Bauen gekommen? 

Schon während des Studiums. Dazu muss man sagen, dass es
 zu meiner Studienzeit in diesem Bereich noch nichts gab. Als ich im Jahr 2001 meine Diplomarbeit zum Thema Passivhaus in Innsbruck abgegeben habe, war sie die erste ihrer Art auf dem Holzbauinstitut. Es war damals also noch gewissermaßen uncool, ja fast eher abartig, und bei weitem nicht so chic wie heute sich mit solchen Bauwerken zu beschäftigen (lacht). Im Rahmen der Diplomarbeit habe ich erste Kontakte zu Holzbaufirmen geknüpft. 

Was war Ihr Antrieb? 

Es ist eine Herzensangelegenheit. Umwelt­ und Klimaschutz sowie Gesundheit sind ganz wichtige Themen und ganz eng mit dem Bauen verknüpft. Häuser müssen mehr als nur schön sein. Es ist mir ein Anliegen, Häuser zu bauen, die tatsächlich funktionieren. Das klingt zwar banal, ist es aber nicht. 

Sie waren also eigentlich die Pionierin einer Bewegung. 

Ja, wenn man es so sehen will, könnte man das wohl sagen. Allerdings hat es schon Kollegen gegeben, die heute in Pension sind und bereits Passivhäuser gebaut haben. Mit ihnen hatte ich damals bei Energie Tirol viel zu tun und ich habe von ihnen sehr viel gelernt. 

Sie haben sich 2006 selbstständig gemacht, haben Preise gewonnen und Ihre Projekte haben „klima:aktiv“­-Zertifizierungen erhalten. Sie beackern damit einen – wie Sie selbst richtig sagen – mittlerweile schicken Bereich der Baubranche. Aber ist er nur chic oder schon mehr? 

Wenn ich an meine Anfänge zurückdenke, steht außer Frage, dass sich sehr viel getan hat. Ich glaube auch, dass Passivhäuser irgendwann einmal Standard werden, aber bis dorthin ist es noch ein weiter Weg. Es gibt zwei starke Tendenzen: Die einen Bauherren entscheiden sich für möglichst billige Ausführungen mit schlechter Dämmung und ohne Rücksichtnahme auf Luftdichtheit. Parallel dazu gibt es auch Bauherren, denen eine ökologische Passivbauweise sehr wichtig ist. Das gilt nicht nur fürs Einfamilienhaus, sondern genauso im Hotelbau, bei Supermärkten oder sonstigen Nutzungen. Die OIB­Richtlinien und Förderungen entwickeln sich eigentlich bereits in die richtige Richtung, aber ganz langsam. 

Ist es am Ende des Tages für den privaten Hausbauer noch ein Preisthema? 

Ich glaube, das muss man anders sehen. Ein riesiger Prozentsatz der Einfamilienhausbauer baut prinzipiell mit einem viel zu kleinen Budget, da bleibt jegliche Qualität auf der Strecke. Das 
ist vor allem bei uns im Westen Österreichs ein Problem, weil die Grundstückspreise allein schon sehr hoch sind. Da wäre es oft besser, gemeinschaftlich etwas anzudenken. 

Ein großes Projekt, bei dem Sie beteiligt sind und das für Aufsehen sorgt, ist das Bildungshaus St. Michael in Tirol, wo sich die Diözese Innsbruck bewusst für einen nachhaltigen Bau entschieden hat. Bei allem Hype um nachhaltiges Bauen: Eine solche Entscheidung ist selten bei großen öffentlichen Gebäuden. Warum hat sich die Diözese dafür entschieden? 

Das ganze Interview lesen Sie im ISOCELLER 02/17


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